WOYK, Joseph und Veronika
Kreis Heilsberg / Ostpreussen


 

[36] JOSEPH WOYK (Woik, Woike)

*  16.03.1824 Frauendorf
TP: Anton Ruhnau, Einwohner, und Catharina Frau des Eigentümers Lieder
† 14.12.1858 Neuendorf

[37] VERONIKA PLEHN (Pleen, Plen)

*  01.03.1823 Frauendorf
TP: Antonius, Sohn des Michael Ruhnau, Freiherr in Stabunken, und Elsabeth, jungfräuliche Tochter des Laurentius Friese.
† 02.06.1878 Neundorf

geheiratet am 17.11.1851 Frauendorf
TZ: Joseph Damrau, Bauer und Anton Ruhnau, Einwohner beide in Frauendorf;


Joseph ist Knecht in Workheim. Er ist der Sohn von [72] PAULUS WOIK und seiner Ehefrau [73] ELISABETH HOHMANN
Veronika ist die Tochter des Einwohners [74] MATTHÄUS PLEEN und seiner Ehefrau [75] THERESIA WAGNER

Joseph sollte das Gut eines Verwandten übernehmen. Ob es sich um das Gut Raaben bei Plauten handelte, auf dem Ferdinand geboren wurde, ist nicht bekannt. Plauten liegt in der Nähe von Mehlsack, Kreis Heilsberg. Zur Übernahme des Gutes kam es aber nicht, weil Joseph mit 38 Jahren an einer Rippenfell-Entzündung starb. Als Witwe führte Veronika mit ihren drei Kindern ein aufopferungsvolles Leben. Durch "Caritasdienste" verdiente sie sich das Geld zum Leben.

Der Einwohner Joseph und Veronika hatten drei Kinder:

  • JOSEPH    * 20.02.1854 16h in Klausitten   †  04.05.1934
    TP: Peter Woyk, Knecht in Bogen, und Elisabeth Salditt, Schulzentochter, zur Zeit in Klausitten
    Joseph heiratet  MARIA WOELKI    * 16.11.1854    †  23.08.1942

    Joseph und Maria haben fünf Kinder, alle geboren in Guttstadt:
    • ANTON    * 22.09.1883     †  10.11.1961 Berlin
      er heiratet und hat drei Kinder
    • AGATHA    * 17.04.1888   †  21.05.1966 Aachen
      sie heiratete JOSEF WOIDKI    * 21.02.1887 in Heilsberg    †  09.02.1944
      Joseph und Agatha hatten drei Kinder, alle geboren in Berlin:
      • ALFONS JOSEF    * 23.03.1912    †  31.12.2000 Hamburg
        er heiratete MARIA BLASINSKY    * 02.02.1912 in Hamburg
      • WERNER ALBERT    * 01.04.1913    †  05.12.1943 auf der Krim
        er heiratete CHARLOTTE HEGEMANN
        Charlotte hieratete in zweiter Ehe ERICH WOLTER
      • IRMGARD ELISABETH    * 17.02.1915    †  06.08.1985 Aachen
        sie heiratete in Aachen ARNOLD BREMEN    * 07.04.1912     †  06.11.1998
    • JOSEF (genannt Seppl)   * 01.11.1891    †  03.12.1957 Berlin
      er heiratete EMMI KUPFER
    • EMILIE    * 20.01.1894   †  13.01.1966 Aachen
    • ANNA    * 16.05.1895    †  16.09.1927 Berlin
     
  • MARIA    * 25.01.1856 in Drewenz
    TP: Anton Woyk, Knecht in Workeim, und Anna Woyk, Magd in Bogen
    Maria heiratet NN KLEIN, sie haben mindestens drei Kinder:
    • MARIA        *                           †  09.08.1976
    • MARTHA    * 12.09.1896    † 
      Martha lebte 1984 in Berlin, Alt-Wittenau
    • NN
      er heiratet NN
      Sie haben mindestens ein Kind:
      • KLAUS
        er heiratet NN
        Sie haben mindestens einen Sohn:
        • ANDREAS

 

Agatha Woidki geb. Woyk
Agatha Woidki geb. Woyk
Maria Klein geb. Woyk
Maria Klein geb. Woyk

  • [18] FERDINAND    * 15.11.1857 in Raaben    †  Feb. 1945 in Guttstadt
    Ferdinand, Knecht, heiratet am 25.04.1882 in Guttstadt
    [19] BARBARA SCHLEGEL     * 25.04.1859 in Lauterswalde    † 24.12.1904 in Guttstadt.
    TZ: Anton Klein aus Liebenberg und Joseph Fahl aus Altkirch

    Barbara  ist die Tochter des Einwohners [38] MICHAEL SCHLEGEL und [39] ANNA BEHREND(T).
    Sie wurde vor der Heirat geboren und als BARBARA BEHRENDT getauft.

    Ferdinand war ein aufgeweckter, intelligenter und fleißiger Schüler. Er und seine Geschwister besuchten die Schule in Neudorf bei Guttstadt. Die Lehrer empfahlen der Mutter, ihn auf die "Hohe Schule" nach Braunsberg zu schicken und ihn später studieren zu lassen. Ferdinand wollte gerne Lehrer werden. Nur die Mutter brauchte die schnelle finanzielle Unterstützung durch ihre Kinder. Jede Arbeit, die er ausüben und durch die er etwas verdienen konnte, nahm Ferdinand an. Bei Arbeiten im Sägewerk zog er sich eine Beinverletzung zu, die ihm bis an sein Lebensende zu schaffen machte.

    Ferdinand und Barbara heirateten früh, sie hatten ja beide keine Eltern mehr. Die Ehe mit Barbara war gut, sie sollen Not und Kindersterben in Liebe und gegenseitigem Verstehen ertragen haben. Barbara hat nach dem Unfall ihres Mannes die Hauptlast für die Familie zu tragen gehabt und hauptsächlich durch Webarbeiten Geld verdient. Ferdinand half dabei mit, so gut er es mit seinem kranken Bein konnte. Sie wohnten in Guttstadt. Barbara wurde wenigstens neunmal Mutter, der Wunsch nach einem Sohn erfüllte sich nicht. Vier Mädels blieben am Leben. Von einer schweren Lungenentzündung erholte sie sich nicht mehr und starb mit erst vierzig Jahren.
    Die Kinder von Ferdinand und Barbara, alle geboren in Altkirch:

    • ALBERT    Kindstod
    • OTTO    Kindstod
    • JOSEF    Kindstod
    • ANNA I    Kindstod
    • ANTON    Kindstod
    • MARIA    * 19.06.1882     †  im März 1945 in Guttstadt
      sie heiratet am 11.01.1906 ANTON PACHOLLEK    *27.06.1882   27.04.1918 in Seglin/Frankreich.
      Früh mußte Maria schon Geld verdienen und ging als Dienst- oder Kindermädchen bei einer "Herrschaft" in Guttstadt in "Stellung".
      Maria hatte wenig Glück im Leben. Nach acht Jahren Ehe brach der 1. Weltkrieg aus, mit 36 Jahren war sie Wittwe. Ihre Tochter Anna heiratete Richard Stiller und Tochter Martha heiratete 1936 Franz Johannes (Hans) Weigt. Maria war später ihrem Vater eine geduldige Krankenschwester. Maria, ihr Sohn und ihr Vater kamen bei dem Einmarsch der Russen in Guttstadt im Februar 1945 ums Leben.
      Anton und Maria hatten drei Kinder, alle geboren in Guttstadt:

Ferdinand Woyk
Ferdinand Woyk

Maria Woyk * 1882
Maria Woyk * 1882

Maria mit ihren Kindern
Maria mit ihren Kindern

    • MARTHA    * 10.06.1893    †  14.01.1960 Berlin
      sie heiratet am 03.08.1914 in Berlin-Charlottenburg, Pfarrei Herz-Jesu, ANDREAS KÜHNAPFEL * 22.04.1889 Lauterhagen bei Krekollen, Kreis Heilsberg    †  31.08.1974 Berlin

      Martha war gerade erst 11 Jahre, als ihre Mutter starb. Die Stiefmutter fand nur schwer Zugang zu ihr und kümmerte sich mehr um das jüngste Kind, Bertha. Zur Hochzeitsfeier ihrer Schwester Anna im Jahre 1907 kam Martha das erste Mal nach Berlin und verließ 1913 endgültig ihr Vaterhaus und ging in Berlin "in Stellung".

      1914 verlobte sie sich mit dem Schneidermeister Andreas Kühnapfel und heiratete ihn wenig später bei Ausbruch des 1. Weltkrieges. Gleich nach der Hochzeit mußte Andreas an die Ostfront und Martha an die Arbeitsfront, einer Gewehrfabrik in Berlin-Spandau. Als Andreas gesund aus dem Krieg zurückkam, nahmen sie eine Wohnung in Moabit, Perleberger Str. 48, und verdienten sich ihren Lebensunterhalt mit der Maßschneiderei. Martha und Andreas hatten drei Kinder:
      • MARGARETE    * 05.01.1920    †  17.08.1993 Berlin
        sie blieb unverheiratet und war Sekretärin im öffentlichen Dienst. Ihre Chefs waren die Minister Jacob Kaiser und Tillmann sowie die Bundesbevollmächtigten Vockel, von Eckardt, Egon Bahr und Spangenberg.
      • HERIBERT    * 07.04.1921    †  09.03.1943 Nähe Danzig
        er erlernte das Klempnerhandwerk. Im 2. Weltkrieg stürzte er als Kampfflieger bei einem Übungsflug bei Danzig tödlich ab.
      • GERTRUD    *12.05.1927    †  05.07.1990
        sie heiratet am 06.10.1951 in Berlin GEORG LANGE    * 05.07.1907    †  22.03.1990
        sie war vorwiegend in Berliner Behörden tätig. Nach der Pensionierung ihres Mannes zogen sie nach Murnau bei Garmisch-Partenkirchen. Die Ehe blieb kinderlos.

Martha Woyk und Andreas Kühnapfel
Martha Woyk und Andreas Kühnapfel

Gertrud Kühnapfel und Georg Lange
Gertrud Kühnapfel und Georg Lange

      Die größer gewordene Familie zog in eine Wohnung am Stephanplatz, Stephanstr. 28. Der Tod ihres einzigen Sohnes, der Krieg und die Notzeiten danach rafften ihre Kräfte dahin. Dazu kam ein Gallenleiden, das ihr große Schmerzen bereitete und eine Operation notwendig machte. Sie konnte sich danach nicht mehr richtig erholen und starb im 67. Lebensjahr.
      Für Margarete, der ältesten Tochter, begann nach dem Tod der Mutter eine aufopferungsreiche Zeit. Magarete führte einen eigenen Haushalt in Berlin-Schlachtensee. Der Vater wollte nicht zu ihr ziehen, er wollte seine Selbständigkeit behalten. Er erwartete aber, dass die Tochter ihn recht oft besucht und für einen geordneten Haushalt bei ihm sorgt. Die letzten zehn Jahre in seinem Leben zog er dann doch zur Tochter. Er wurde 85 Jahre alt und ruht nun auf dem St. Sebastian-Friedhof in Berlin-Reinickendorf neben seiner Frau und seinem Sohn.

Margarete und Gertrud mit ihrem Vater Andreas
Margarete und Gertrud mit ihrem Vater Andreas

    • BERTHA    * 17.03.1899    †  11.04.1967 Gelsenkirchen
      sie heiratet 1922 in Gelsenkirchen OTTO HERSCHBERG    *24.10.1893 Glottau     †  04.05.1968
      Otto ist der jüngste Sohn von ANDREAS HERSCHBERG * 24.11.1855 Glottau/Heilsberg †  31.08.1931 Dortmund-Hörde und seiner Frau ALBERTINE KASTELAN  * 18.01.1852 in Glottau †  15.07.1924 in Altkirch/Guttstadt.
      Ottos Geschwister:
      • Franz * vor 1893
        er heiratet 04.1927  Anne NN
      • Anna  * 22.12.1894  in Glottau  † 16.01.1969 in Gelsenkirchen-Buer
        sie heiratet Johann Lorkowski   * 07.06.1873 in Allenstein   † 22.07.1958 in Gladbeck
        • Heinrich * 29.08.1915 in Gelsenkirchen  † 13.12.1982 in Gladbeck.
        • Hildegard  * 07.09.1924 in Gelsenkirchen  † 19.08.2006 in Gladbeck
          sie heiratet am 29.03.1946 in Gelsenkirchen-Scholven Fritz Neubauer

      Bertha war eine Frohnatur und konnte viel und herzhaft lachen.
      Anfangs arbeitete sie in einer Gaststätte in Guttstadt. Mit 21 Jahren kam sie nach Berlin und wohnte bei einer Familie in der Lessingstr. nahe der Kaiser-Friedrich-Gedächniskirche in Anstellung als Hausmädchen.
      Ebenfalls aus Ostpreußen kam ihr Mann, Otto Herschberg. Er war ein "lustiger Geselle" und paßte wunderbar zu Bertha. Leider blieb Otto nicht lange in Berlin, denn Arbeitsplätze waren nach dem Krieg und in der Inflationszeit rar. So ging er als Kumpel ins Ruhrgebiet nach Gelsenkirchen, wo bereits Verwandte von ihm Arbeit gefunden hatten.
      Unter dem vom Kohlenruß und Qualm der Hochöfen geschwärztem Himmel fand Bertha keine Heimat. Erst Mutterpflichten halfen ihr das Heimweh und andere Leiden vergessen.
      Bertha wurde Mutter von vier Jungen, alle geboren in Gelsenkirchen:
      • KURT    * 29.12.1922    †  27.07.1997
      • BRUNO    * 06.10.1924    †  im Kindesalter
      • HEINZ
      • GERHARD

Bertha Herschberg geb. Woyk
Bertha Herschberg geb. Woyk

    Ferdinand hätte wegen seiner jüngsten, der fünfjährigen Bertha, nicht noch einmal heiraten müssen. Seine älteren Töchter hätten sicherlich Mutterstelle übernommen, aber die lieben Mitmenschen fanden, dass es für Mann und Kinder besser sei, wenn wieder eine Frau ins Haus kommt: MAGDALENA WEIß. Ferdinand heiratete sie nach 1905. In Guttstadt nannte man sie die "weiße Lene". Ihr Gesicht war auch sehr blass; sie fror immer und kränkelte viel. Diese zweite Ehe blieb kinderlos.
    Für Ferdinand wurde die unselbständige, gern jammernde Lene sehr bald eine seelische Belastung. Er ging dieser Frau immer mehr aus dem Wege. Häufig stand er an der Alle und angelte.  Ferdinand wohnte mit seiner Frau bei seiner ältesten Tochter  Maria Pachollek in "Schäfers Haus" in der Grabenstr. 139 in Guttstadt. In dem Haus wohnten sechs Familien.

    1937 in Guttstadt: (v.l.n.r.) Bruno Woelky, 
	Martha Woyk und Hans Weigt, Herta Heim mit Tochter Renate und Ehemann Kurt, Maria Pachollek geb. Woyk, sowie Ferdinand und Magdalena (Lene) Woyk
    1937 in Guttstadt: (v.l.n.r.) Bruno Woelky, Martha Woyk und Hans Weigt, Herta Heim mit Tochter Renate
    und Ehemann Kurt, Maria Pachollek geb. Woyk, sowie Ferdinand und Magdalena (Lene) Woyk

    Lene starb 1938. Ihr Tod muss Ferdinand neuen Lebensmut gegeben haben. In den Jahren vorher hatte er oft den Tod herbeigesehnt. Nun wartete er geduldig. Das St. Josefs-Krankenhaus nahm ihn wegen seines kranken Beines auf und überwies in nach Besserung des Leidens in das angeschlossene Altersheim. Hier lebte er noch im Februar 1945 als die Russen Guttstadt eingenommen hatten. Das St. Josefs-Krankenhaus und das Altersheim mussten geräumt werden und wurden zum Lazarett für die Russen hergerichtet. Die Insassen wurden auf  Wagen verfrachtet und in eine Scheune an der Straße nach Allenstein verbracht. Die Scheune gehörte dem Guttstädter Gastwirt Bischoff. Dort endete der Lebensweg von Ferdinand Woyk, die Scheune brannte ab (wurde abgebrannt).